Die Geistigen Kräfte der Heiligen Nächte I

Die Rauhnächte der Menschen

Zu dieser dunklen Zeit, um den Jahreswechsel herum, rückten in früheren Zeiten die Menschen zusammen, vor allem in ländlichen Gegenden, oft eingeschneit in ihren Gehöften. Das einzig Wärmende zu dieser Zeit waren die Feuer in den Öfen der Stuben, und die Geschichten, Sagen und Legenden, mit denen man sich die Zeit auch geistig erhellt hat. Es gibt auch noch einen anderen Bezug zu dieser besonderen Stimmung im Jahr, denn die Menschen waren zu der Zeit, wenn auch noch eher seelenhaft, mit der Geistigen Welt verbunden. In diesem Seelenhaften erweckten sie auch allerlei Wesen, die aus der Lebenswelt heraus, in vielfältiger Weise sich zu manifestierten suchten. Hier dürfte auch eine der Bedeutungen des Wortes Rauh zu sehen sein, was soviel wie Tierfell bedeutet. Gleichzeitig war aber auch schon das individuelle irdische Ich sehr rege und somit auch das menschliche Gewissen. So trennte man auch sehr bewusst das Gute vom Bösen, versuchte das Eine zu beschwichtigen und das Andere einzuladen. Hieraus entstanden dann Legenden und Geschichten wie beispielsweise um die Percht, der man, je nachdem wie die Menschen in ihrer Gesinnung waren, sehr ambivalenten Charakter zugeschrieben hatte. Der Mensch war dann versucht, Opfergaben zu bringen, um diese Geistwesen zu besänftigen oder zumindest nicht zu erzürnen. Und das Opfer als solches wurde sehr gewürdigt, denn es handelte sich meist um Dinge, die man selber nur wenig im täglichen Gebrauch zur Verfügung hatte. Meist war es etwas zu Essen oder etwas, das einem am Herzen lag, das man mit viel Eigen-Liebe geschaffen hatte.

 

Und noch etwas steht in Verbindung mit dem menschlichen Gewissen. Durch die Einsamkeit der kalten Nächte, waren die Menschen mit sich selbst konfrontiert - mit den Lebenskräften des letzten Jahres und somit auch mit ihren Taten, mit denen, wie in seelische Waagschalen geworfen, sie sich innerlich auseinander zu setzen hatten. Zumeist waren diese Handlungen innerhalb des alten Jahres an die Lebens-Existenz gebunden, und so hoffte man auch entsprechend in die Zukunft zu wirken - so kamen viele ins Gebet, vielleicht für eine reichere Ernte im nächsten Jahr, für Gesundheit oder für einen Hoferben. Wie auch immer die individuellen Schicksale in die Welt gestellt waren, gemeinhin waren Geister-Stimmen um die Menschen herum auf der Erde, so lebendig, dass sie für sie hör- und, ja, spürbar wurden. Man erkannte auch im menschlichen Gegenüber das geistige Wesen und so war man denn versucht, alten Streit beizulegen und vielleicht seine Schulden in zwischenmenschlicher Hinsicht zu begleichen. Man teilte vielleicht gar das letzte Brot mit seinem Nachbarn oder gar Feind. In jeder Hinsicht, suchte man sich innerlich und dementsprechend auch im unmittelbaren Lebensbereich von allem Dünkel zu befreien. Man schuf tabula rasa, machte reinen Tisch mit der Seele und dem eigenen Platz auf der Erde. Unter dem Einfluss der Rauhnächte scheinen wir Menschen, auch heute noch die eigene leere innere Seelen-Tafel bereit zu stellen, um so die Gaben und Früchte des kommenden Jahres willkommen zu heißen.

 

Allgemein kann man sagen, dass ein großer Führer des Menschen im Übergang von altem zu Neuem Jahre auch die eigene Angst gewesen ist. Sie gilt es, auch heute noch, zu verwandeln in jenes innere Licht, dass sich bereits vorahnend in der Weihenacht als Weihnachtslicht zeigt.  Im Überschwang des Überlebens ist der Mensch auch versucht, die Angst zu vertreiben was man z.B. im Perchtentanz nachempfinden kann. Im Sieg über die Angst, erwächst der Mut, der, aus reinem Herzen empfunden, ebenfalls ein guter Wegbegleiter sein kann durch die dunkle Zeit, in der die Tore zur übersinnlichen Welt weit offen zu stehen scheinen. Und betrachtet man den Jahreskreis aus dem Blickwinkel des Geistigen, so zeigt sich, dass diese übersinnlichen Kräfte in der dunkelsten Zeit des Jahres besonders rege sind. Hieraus sind zum Beispiel auch Geschichten entsprungen, in denen Tiere oder Elementargeister oder Engel zu den Menschen gesprochen haben. Einer der Engel dieser Zeit wird auch in den Mysterien beschrieben - Erzengel Gabriel, der die Geburt des Heiland ankündigt. Er steht gleichzeitig auch als Bote für den Winter  und löst Michael, den Erzengel des Herbstes ab.